Verrückte Schlussphase bringt uns um drei Zähler

Schiedsrichter: Hendrik RiechelLinienrichter: Thorsten Rettberg, Benjamin Dwenger
Weende schafft zweimal den Ausgleich
Spielbericht vom 18. August 2026
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Es waren die letzten Minuten, die aus einer lange ausgeglichenen Partie einen außergewöhnlichen Fußballnachmittag machten. Zwischen der SVG Einbeck 05 und dem SCW Göttingen fielen sämtliche vier Treffer in der Schlussviertelstunde. Zweimal ging Einbeck in Führung, zweimal schlugen die Gäste zurück. Am Ende stand ein 2:2, das auf beiden Seiten für ganz unterschiedliche Emotionen sorgte.
„Eine absolut verrückte Schlussphase“ – so beschrieb Ferat Yildirim, Sportdirektor der SVG Einbeck, die entscheidenden Minuten der Partie. Zuvor hatte sich über weite Strecken ein enges und ausgeglichenes Spiel entwickelt. In der ersten Halbzeit sah Yildirim sogar leichte Vorteile bei den Gästen.
„Ich denke, es war ein sehr ausgeglichenes Spiel. Ich sage sogar, dass Weende in der ersten Halbzeit leichte Vorteile hatte. Sie haben ein super Spiel abgeliefert.“
Die Gäste warfen alles in die Partie, verteidigten konsequent und ließen nur wenig zu. Gleichzeitig stand auch die Einbecker Defensive sicher. So dauerte es bis zur 77. Minute, ehe erstmals gejubelt werden durfte.
Nach einem Freistoß stieg Ronald Alex Rocha am höchsten und köpfte Einbeck mit 1:0 in Führung. Die Partie schien nun zugunsten der Gastgeber zu kippen – doch Göttingen gab sich nicht geschlagen.
In der 90. Minute gelang Paul Grothoff der Ausgleich zum 1:1. Einbeck hatte die Führung kurz vor Schluss aus der Hand gegeben, fand darauf aber noch einmal eine Antwort.
In der zweiten Minute der Nachspielzeit bekamen die Gastgeber erneut einen Freistoß zugesprochen. Abdul Kadir Yesilyurt übernahm die Verantwortung – und wie. Aus rund 30 Metern setzte er den Ball ins linke Eck und brachte Einbeck mit 2:1 erneut in Führung.
„Abdul macht das mit seiner individuellen Klasse, einen super Freistoß aus 30 Metern ins linke Eck“, sagte Yildirim.
Alles deutete nun auf einen Einbecker Heimsieg hin. Doch die Partie hatte noch eine letzte Wendung parat.
Praktisch mit einer der letzten Aktionen kam Göttingen über die linke Seite noch einmal nach vorne. Ein Fehler im Einbecker Spielaufbau eröffnete den Gästen die Möglichkeit, sich durchzusetzen und den Ball ins Zentrum zu bringen. Dort bekam Steffen Claaßen am Elfmeterpunkt zu viel Zeit und schob zum 2:2 ein.
Für Einbeck war der erneute Ausgleich unmittelbar vor dem Schlusspfiff besonders bitter.
„Was wir uns dann vorwerfen müssen: Wir müssen so ein Spiel auch ganz klar über die Zeit bringen.“
Trotz des späten Rückschlags wollte Yildirim den Auftritt seiner Mannschaft nicht grundsätzlich negativ bewerten. Über die gesamte Spielzeit hinweg habe sich keine der beiden Mannschaften einen entscheidenden Vorteil erspielen können.
„Am Ende des Tages muss man sagen, es ist ein gerechtfertigtes 2:2. Es war jetzt keine Mannschaft dabei, die den Sieg, sage ich mal, viel mehr verdient hätte.“
Unmittelbar nach dem Abpfiff überwog dennoch die Enttäuschung über den verpassten Sieg.
„Es ist natürlich für uns jetzt sehr, sehr bitter, wenn du in der 95. das 2:2 kassierst.“
Ganz ohne Zufriedenheit wollte der Sportdirektor den Spieltag allerdings nicht abhaken. Schließlich steht Einbeck nach zwei Partien mit vier Punkten da.
„Wir haben jetzt aus zwei Spielen vier Punkte geholt. Damit kann man schon zufrieden sein.“
Sein Fazit fiel entsprechend pragmatisch aus: „Aber ja, auch das gehört dazu. Wir müssen weitermachen.“
Auf Göttinger Seite überwog dagegen die Freude über den spät geretteten Punkt. Trainer Steffen Claaßen sah seine Mannschaft insbesondere in der ersten Halbzeit mit guten Möglichkeiten, selbst in Führung zu gehen.
„Ich glaube, wir müssen nach der ersten Halbzeit führen, haben da zwei, drei hochkarätige Chancen und machen sie nicht rein.“
Nach dem Seitenwechsel verschoben sich die Kräfteverhältnisse. Einbeck übernahm zunehmend die Kontrolle.
„In der zweiten Halbzeit war Einbeck die spielbestimmendere Mannschaft. Die beiden Tore von Einbeck fallen tatsächlich einfach nach Standardsituationen. Also die waren nicht rausgespielt, aber machen sie gut.“
Was anschließend folgte, war aus Sicht des Göttinger Trainers vor allem eine Frage der Moral. Seine Mannschaft geriet zweimal spät in Rückstand und fand dennoch jeweils eine Antwort.
„Ja, wir haben es mit unglaublicher Moral geschafft, zweimal zurückzukommen.“
Gerade die Reaktion nach dem erneuten Rückstand zum 1:2 beeindruckte Claaßen.
„Nach dem 0:1 in der 90. dann noch einmal dann ein bisschen Glück und ich konnte noch das 2:2 machen, nachdem du eine Minute davor das 1:2 bekommst.“
Für den Göttinger Trainer war der Punktgewinn deshalb nicht nur glücklich, sondern vor allem Ausdruck der Mentalität seiner Mannschaft.
„Also war schon eine moralisch Top-Leistung von uns und gehört richtig was dazu, zweimal in der Nachspielzeit zurückzukommen.“
Am Ende kamen beide Seiten trotz der dramatischen Schlussphase zu einer ähnlichen Bewertung des Ergebnisses. Claaßen fasste zusammen:
„Ich denke, summa summarum irgendwie eine Punkteteilung, die in Ordnung geht.“
Gleichzeitig konnte auch er nachvollziehen, wie schmerzhaft das Ergebnis für die Gastgeber war:
„Auch wenn das natürlich bitter ist für Einbeck, wenn sie zweimal kurz vor Schluss dann noch einen reinkriegen.“
So blieb nach einer lange ausgeglichenen Begegnung vor allem die Erinnerung an eine Schlussphase, in der sich die Ereignisse überschlugen: vier Tore innerhalb weniger Minuten, zwei Einbecker Führungen und zwei Göttinger Antworten – bis zum 2:2 praktisch mit der letzten Aktion.













